DER NIBELUNGEN WUT – FUROR TEUTONICUS

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Datum/Zeit
Date(s) - 23/10/2020 - 24/10/2020
19:30 - 20:30

Veranstaltungsort
bremer shakespeare company

Kategorien


Textfassung: Grit van Dyk, Johanna Schall. Regie: Johanna Schall. Bühne/Kostüme: Heike Neugebauer, Rike Schimitschek. Musik: Maria Hinze.

Mit: Svea Meiken Auerbach, Tobias Dürr, Sonja Hilberger, Michael Meyer, Sofie Alice Miller, Erik Roßbander.

 

Diese deutscheste aller deutschen Mythen ist meist nur in Fragmenten bekannt: der Held Siegfried tötet einen Drachen, wird dadurch beinahe unsterblich und kommt in den Besitz eines Riesenschatzes. Er hilft König Gunther gegen seine Feinde und assistiert ihm ungesehen (Tarnkappe!) bei seiner Brautwerbung um Brunhild, wofür er dessen Schwester Kriemhild bekommt. Es könnte eine so schöne Familiengeschichte sein, doch Eifersucht, Neid und Mord löschen die ganze Sippe aus.

Mit »Der Nibelungen Wut – Furor Teutonicus« reisen Johanna Schall und Grit van Dyk in eine prägende mythische Landschaft: Unser Nationalepos – eine Geschichte, in der am Ende alle sterben. Eine wilde und grausam-schöne Reise in die Welt des deutschesten aller deutschen Stoffe. Wir besuchen eine sehr spezielle Hölle: eine Art heruntergekommenes Hotel, das Hel, die nordische Totengöttin, betreibt. Dort gibt es für die Untoten Brunhild, Kriemhild und Hagen kein Entrinnen aus ihren Erinnerungen, den immer gleichen Fragen, den dunklen Träumen. Siegfried ist erschlagen, ebenso wie Kriemhild und Hagen, Brunhild starb von eigener Hand – die Nibelungen sind in einem blutigen Gemetzel untergegangen. Wer trägt welche Schuld? Wer kann sich auf welches Recht berufen? Eine junge Frau aus der Gegenwart mit einem Auftrag stößt zu der Gruppe und erkennt das Potential dieser Geschichte für ihre Zwecke, doch welche sind das?

Über Jahrhunderte wurde „Deutschland“ konstruiert aus Sprache, Blut, Traum und Macht – Drachenblut, Nibelungentreue und Dolchstoßlegende. Warum sollte uns das interessieren? Die Inszenierung taucht ein in den deutschesten aller deutschen Stoffe und wagt eine Antwort.

 

Theater ist wieder möglich – mit Auflagen und Abstand – und nötiger, denn je. Denn das Coronathema hat viele Themen aus dem Mittelpunkt der Aufmerksamkeit verdrängt. Zu Unrecht, denn das Erstarken der rechtsnationalistischen Tendenzen hat weltweit eher zu- als abgenommen. Ursprünglich war Johanna Schalls Inszenierung, die sich mit der Ursuppe der nationalistischen Gesinnung in Deutschland, auseinandersetzt, bereits für April geplant. Jetzt, 5 Monate später, ist das Thema aktuell wie je.

 

Fotos: Marianne Menke