Queer (L)it! – Entdeckungstour durch queere Bücherwelten

Gemeinsam mit dem Queer Power Month Bremen und der Stadtbibliothek Bremen startet das
virtuelle Literaturhaus ab September die neue Reihe Queer (L)it!, die sich für mehr Diversität in der
Literaturszene einsetzt. Eingeladen sind zeitgenössische queere Stimmen der deutschsprachigen
Literatur, die in ihren Büchern Protagonist*innen vorstellen, die abseits von traditionellen
Geschlechterrollen und Identitäten leben.

In den letzten Jahren ist eine neue Form der politisch engagierten Literatur entstanden. Ihre
Grundlage sind queere, oft auch migrantische Erfahrungen, die sich in die Körper eingeschrieben
haben. Identität ist plötzlich nichts Festes mehr, vielmehr etwas Fließendes, das es zu hinterfragen
gilt. Diese neue Literatur sprengt oft das konventionelle Erzählen und bricht mit den klischeehaften
Zuschreibungen des binären Geschlechtersystems.

In Videoformaten, Lesungen und Kolumnen gehen die eingeladenen Schriftsteller*innen der Frage
nach, welche Themen in der Literatur als klassisch queer gelabelt werden, wie wichtig das Queering
von Form und Sprache für sie ist und wie utopische Räume geschaffen werden, die unmögliche
Identitäten möglich machen. Es geht um Fleischgefängnisse, Selbstermächtigung, polyamoröses
Begehren und lesende Körper.

Den Auftakt macht am 1. September die Videoreihe der Schriftstellerin und Aktivistin Sasha Marianna Salzmann. In der ersten Folge spricht sie mit der Kolumnistin und Autorin Hengameh Yaghoobifarah. Zeitgleich startet ebenfalls auf der Plattform des Literaturhauses die 14tägige Buchkolumne des Transaktivisten und gebürtigen Bremers Linus Giese: #queerupyourlife!

Am 23. September ist Sasha Marianna Salzmann in Bremen mit ihrem neuen Roman Im Menschen
muss alles herrlich sein (Suhrkamp) um 19:00 Uhr in der Zentralbibliothek zu Gast. Salzmann ist
Dramaturg*in, Schriftsteller*in und Theaterautor*in. Der Debütroman Ausser sich (2017) wurde
vielfach ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. In ihrem neuen
Roman erzählt Sasha Marianna Salzmann von Umbruchzeiten, von der »Fleischwolf-Zeit« der
Perestroika bis ins Deutschland der Gegenwart. Sie erzählt, wie Systeme zerfallen und Menschen
vom Sog der Ereignisse mitgerissen werden. Dabei folgt sie vier Lebenswegen und spürt der
unauflöslichen Verstrickung der Generationen nach, über Zeiten und Räume hinweg.

Ab Oktober setzt Sasha Marianna Salzmann ihre Videoreihe zu queerer Literatur mit Antje Rávik
Strubel, Olivia Wenzel und Gunther Geltinger im virtuellen Literaturhaus fort.

Weiter geht es mit Queer (L)it! am 4. November: Buchblogger und Transaktivist Linus Giese liest um
19:00 in der Zentralbibliothek aus seinem Roman Ich bin Linus – Wie ich der Mann wurde, der ich
immer schon war. Ein Satz, der wie eine Selbstverständlichkeit klingt – Ich bin Linus -, doch Linus
Giese teilt sein Leben in ein Davor und Danach. Im Gespräch mit Katharina Guleikoff erzählt er,
warum er einunddreißig Jahre alt werden musste, um laut auszusprechen, dass er ein Mann und
trans ist, und warum sein Leben heute vielleicht nicht einfacher, aber sehr viel glücklicher ist.

Am 5. November spricht und liest Linus Giese in Bremen um 16:00 Uhr bei einem Familiennachmittag in der Stadtteilbibliothek Vegesack, wo er zu einer Reise in nichtheteronormative (Bilder-) Bücherwelten einlädt. In vielen Kinder- und Jugendbüchern stoßen wir immer noch auf stereotype Geschlechterrollen, in denen die Mädchen Prinzessinnen und die Jungs Fußballer sind. Es wird davon ausgegangen, dass Kinder sich diesen Geschlechterrollen zugehörig fühlen und dass sich auch ihre Eltern ausschließlich an heterosexuellen Normen orientieren. Queere Identitäten und vielfältige Familienmodelle sind in Bücherregalen bislang noch unterrepräsentiert.
Aber es gibt diese Geschichten schon, wir müssen sie nur finden!

Queer (L)it! – Die eingeladenen Schriftsteller*innen im Überblick:

Gunther Geltinger, geb. 1974
erhielt für seine Romane zahlreiche Preise und Stipendien, u.a. den Förderpreis für Literatur des
Landes Nordrhein-Westfalen, den August-Graf-von-Platen-Literaturpreis und das
Aufenthaltsstipendium des Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg. In »Benzin«,
seinem dritten Buch, schickt Geltinger ein weißes schwules Paar auf eine Reise durch Südafrika und
konfrontiert sie dabei mit ihren eigenen Dämonen. Sasha Salzmann spricht mit Gunther Geltinger
über das Tabuthema Rassismus in der schwulen Szene und über die Spuren James Baldwins als ein
gemeinsames literarisches Vorbild.

Linus Giese, geb. 1986
in Bremen, ist studierter Germanist und arbeitet seit November 2017 als Blogger, Journalist und
Buchhändler in Berlin. Auf buzzaldrins.de schreibt er über Bücher und auf ichbinslinus.de über seine
Transition. Er rezensiert auf seinem Buchblog vor allem anspruchsvolle zeitgenössische Literatur und
ist auf verschiedenen Buchmessen präsent. Daneben verfasste Giese mehrere Artikel für
überregionale Zeitungen, in denen er sich mit Transrechten, Geschlechterrollen und
Transfeindlichkeit auseinandersetzt.

Sasha Marianna Salzmann, geb. 1974
in Wolgograd, kam 1995 mit der Familie als jüdische Kontingentgeflüchtete nach Deutschland.
Sasha Marianna Salzmann hat an der Universität Hildesheim Literatur, Theater und Medien studiert und Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Seit 2013 ist Salzmann Hausautorin am Maxim-Gorki-Theater in Berlin, behandelt immer wieder queere Themen und setzt sich besonders für die Sichtbarkeit und Akzeptanz queeren und jüdischen Lebens in Deutschland ein.

Antje Rávik Strubel, geb. 1974
ist eine der bedeutendsten queeren Stimmen der deutschsprachigen Literaturszene. Für ihr
vielfältiges Werk wurde die Schriftstellerin und Übersetzerin 2019 mit dem Preis der Literaturhäuser
ausgezeichnet. Die Protagonist*innen ihrer zahlreichen Romane spielen mit ihrer Geschlechtsidentität, verlieben sich über die Grenzen von Konventionen hinweg, erfinden sich neu, migrieren. Sasha Salzmann diskutiert mit Antje Rávik Strubel Geschlechterperformance als ein stetig wiederkehrendes Motiv in der Geschichte der Literatur.

Olivia Wenzel, geb. 1985
ist Dramatikerin und Romanautorin. In der freien Theaterszene kollaboriert sie als Performerin mit
Kollektiven wie vorschlag:hammer. Ihr Debütroman »1000 Serpentinen Angst« stand auf der Longlist
des Deutschen Buchpreises 2020. Sasha Salzmann diskutiert mit Olivia Wenzel den lesbischen Blick in
»1000 Serpentinen Angst« und die Möglichkeiten, Figuren, die von Mehrfachdiskriminierung
betroffen sind, fern klischeehafter Zuschreibungen in einen zeitgenössischen literarischen Kanon
einzuschreiben.

Hegameh Yaghoobifarah, geb. 1991
die taz-Kolumnistin, Redakteurin des »Missy Magazine« und Mitherausgeberin der viel beachteten
Anthologie »Eure Heimat ist unser Albtraum« erzählt in ihrem Debut »Ministerium der Träume« von
Wahl- und Zwangsfamilie, von bedingungslosem Zusammenhalt unter Geschwistern und von dem
dringenden Wunsch nach Selbstbestimmung. Sasha Salzmann spricht mit der Autorin über
zeitgenössische Formen des Erzählens im digitalen Zeitalter, über ein queeres Utopia und das
Politikum, radikal poetisch zu sein.

Queer (L)it! – Die Veranstaltungstermine im Überblick:
23. September 2021:
Lesung Sasha Marianna Salzmann Im Menschen muss alles herrlich sein
19:00 Zentralbibliothek Bremen
Moderation: Esther Willbrandt, Bremen Zwei

4. November 2021:
Lesung Linus Giese Ich bin Linus! – Wie ich der Mann wurde. Der ich immer schon war
19:00 Uhr Zentralbibliothek Bremen
Moderation: Katharina Guleikoff, Bremen Eins

5. November 2021:
Familiennachmittag zu Bilder- (Bücherwelten) mit Linus Giese
16:00 Uhr Stadtteilbibliothek Vegesack

Alle weiteren Informationen auf:
www.literaturhaus-bremen.de
www.literaturmagazin-bremen.de

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist für alle frei.
Eine Kooperation mit dem Queer Power Month, dem Rat und Tat Zentrum, und der Stadtbibliothek
Bremen.

Die Reihe Queer (L)it! wird gefördert im Rahmen von 360° – Fonds für Kulturen der neuen
Stadtgesellschaft, dem Senator für Kultur und dem Bremer Literaturkontor.

Kontakt: Literaturhaus Bremen [virt.] e.V., Heike Müller, Ostertorsteinweg 53, D-28203 Bremen, fon *49 421 458 5 3939, heike.mueller@literaturhaus-bremen.de, www.literaturhaus-bremen.de