Ehrung für belladonna vom Landesfrauenrat zum Internationalen Frauentag

Der Verein belladonna wurde am 8. März, dem Internationalen Frauentag, im Bremer Rathaus vom Landesfrauenrat Bremen (Bremer Frauenausschuss) zur Bremer Fraueninstitution des Jahres 2019 ausgezeichnet.

Im Rahmen eines Festakts unter Schirmherrschaft der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport, Anja Stahmann, wurde belladonna im Festsaal des Rathaus vor 500 Besucher*innen geehrt. Das Motto des diesjährigen Frauentages in Bremen lautete „ #Solidarität leben“. Das bedeutet für belladonna Frauen und Frauenorganisationen zu stärken, sichtbar zu machen und überall, wo es geht, diese zu fördern. belladonna bringt Frauen zusammen, vernetzt und qualifiziert diese.

Aus der Festrede von der Vorsitzenden des Bremer Landesfrauenrats Perdita Engeler: „belladonna steht seit über 30 Jahren an der Seite von Bremer Frauen und ist über Landesgrenzen hinaus bekannt. Der Verein ist ein Urgestein der Bremer Frauenbewegung und wird zukünftig diese weiter gestalten. Frauen in Bremen können sich auf belladonna verlassen. Sie gestalten die politische Landschaft für Frauen unerbittlich und unermüdlich mit. Ihr Engagement für Frauen lässt nicht nach. Solidarität ist für Maren Bock und auch für das belladonna-Team nicht nur ein Schlagwort der Stunde, sondern wurde und wird dort gelebt. belladonna gilt als maßgebliche Impulsgeberin und Treiberin frauenpolitischer Anliegen. Es gelingt ihnen immer wieder, für ihre Ideen Mitstreiterinnen zu finden – und ich kenne keine andere Einrichtung bzw. deren Geschäftsführerin, die sich derart intensiv für das Miteinander der Bremer Fraueneinrichtungen einsetzt und hier den Wert der Solidarität aktiv vertritt“. Die Laudatio hielt Christine Holzner-Rabe, Dozentin für politisch-kulturelle Bildung. belladonna als Kultur-, Bildungs – und Wirtschaftsort für Frauen – manche der Angebote sind durchaus auch für Männer – bringt für diese Bereiche halbjährlich ein Programm (Auflage 20.000) heraus mit ca. 30 Angeboten und 50 Referentinnen, die Frauen in vielfacher Hinsicht und in vielen Formaten die Stärkung und Selbstvergewisserung, die kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und die Diskussion aktuellster Themen ermöglichen: Empowerment pur. Und auch das ist gelebte Solidarität: Frauen ermächtigen etwas zu tun, für sich, für andere, für ein Thema.

Ein weiterer wichtiger Arbeitsbereich ist die Unterstützung von Existenzgründerinnen: auch hier steht das Prinzip der Solidarität von Frauen mit und für Frauen dahinter. Maren Bock hat mit anderen Mitstreiterinnen lange gekämpft (und muss es in Teilen immer noch), dass Frauen als spezifische Zielgruppe bei der Wirtschaftsförderung selbstverständlich anerkannt und mit Maßnahmen bedacht wurden. Die Coachingreihe für Existenzgründerinnen ermöglicht Frauen, eigenverantwortlich, selbstständig und unabhängig berufliche Erfolge als Unternehmerin nachhaltig zu erzielen. Alle zwei Jahre wird der belladonna Gründerinnenpreis verliehen, welcher die beruflichen Leistungen von Frauen honoriert und anerkennt. Netzwerktreffen, die Qualifizierung in der Kreativwirtschaft, Lesungen, Ausstellungen, Kunstgespräche mit Kunstführungen und viele Angebote mehr. belladonna adressiert die Angebote an Frauen in vielfältigen Lebensweisen und Lebenssituationen. So wird Solidarität zwischen Frauen hergestellt, die sich eventuell sonst nicht begegnen. Solidarität wird gestärkt, wo Netze bereits bestehen und Solidarität wird gefördert, wo Frauen es dringend benötigen. Ein anderer und zunehmend wachsender Bereich ist das große Frauenarchiv und Dokumentationszentrum innerhalb belladonnas. Viele Nichtarchiv-Nutzer*innen wissen oft nicht, welchen Schatz belladonna hier in jahrzehntelanger, stetiger, sammelnder und sortierender Arbeit aufgebaut hat. Wer hier Rechercheanfragen stellt oder aus Forschungsgründen arbeitet wird umfassend fündig: Frauengeschichte, Frauenvorbilder und aktuelles Geschehen sind hier wie nur an wenigen anderen Orten in Deutschland sonst umfassend dokumentiert. Alleine die Pressedokumentation ist in Nordeuropa einmalig mit über 400.000 erfassten Artikeln, dazu mehr als 3.000 Plakate und über 8.000 Bücher und an die hundert Vor- und Nachlässe/Sammlungen. Mit ihrem Archiv setzt belladonna dem „blinden Fleck“ der männlich fokussierten Mainstream-Historiographie Frauengeschichte entgegen – und macht so das Bild von der Vergangenheit erst vollständig. Aktuell werden Bestandteile mit Hilfe des Deutschen Digitalen Frauenarchivs (DDF) für zukünftige Generationen digitalisiert, sodass ein leichterer Zugang zu diesem Wissensschatz für alle entsteht. belladonna war aktiv am Aufbau des Deutschen Digitalen Frauenarchivs/ein Online-Portal beteiligt, so dass die Archivmitarbeiterinnen bzgl. Digitalisierung auf dem neuesten Stand sind. Es ging und geht hier um die Geschichte der Frauen und um ihre Bewahrung Beim interkulturellen Austausch kommen seit über 13 Jahren muslimische und nicht muslimische Frauen aus allen Bremer Stadtteilen zusammen, lernen sich kennen, lernen voneinander, bauen Vorurteile ab und stärken Gemeinsamkeiten. Auch was das Engagement für Geflüchtete angeht, hat belladonna Maßstäbe gesetzt: sofort und vor aller Bürokratie hat der Verein als eine der ersten Akteurinnen im benachbarten Übergangswohnheim Kurse für Frauen angeboten und mit Nachbarschaftstreffen dafür gesorgt, dass nicht nur die Frauen dort sich willkommen fühlen konnten, sie haben sogar zusammen mit den Nachbar*innen ein Straßenfest organisiert. Ziel von belladonna ist es immer: Frauen zu ermächtigen etwas zu tun, für sich und für andere, für ein Thema.

Zum Schluss wurde betont, dass Maren Bock und das Team, so scheint es, immer präsent sind, wenn es in Bremen um Frauenbelange geht. Sie sind wie ‘Urgesteine‘ der Bremer Frauenszene, sie gehören zum Fundament, auf dem sich das Leben von und für Frauen in Bremen abspielt. Sie setzen sich hochengagiert, zukunftsweisend und parteilich für Frauen ein. Deshalb wird ihre Arbeit für selbstverständlich gehalten: war immer da, ist immer da, wird immer da sein. Aber was viele Bürger*innen nicht wissen: Die Mitarbeiterinnen gehen an ihre Grenzen, oft sogar darüber, weil sie so engagiert sind und das Ziel immer vor Augen haben. Dennoch, so sagte die Geschäftsführerin Maren Bock am Abend, belladonna sei gerade in einer finanziellen Krise – auch aufgrund der ganzen Technisierung und keinerlei Kompensation diesbezüglich von Seiten der Bremer Politik.“ Das Selbstverständnis von belladonna beinhaltet auch, gesellschaftspolitische Veränderungen herbeizuführen, die GESCHLECHTERGERECHTIGKEIT bewirken.

Zum Abschluss des Festaktes fasste Perdita Engeler zusammen: „Maren Bock, hat vor 30 Jahren den Verein belladonna- Kultur, Bildung und Wirtschaft für Frauen e.V. mitbegründet und gibt nicht auf, die Ideen, die Ziele und das Engagement für Frauen weiter voranzutreiben. Sie kann sich auf ihre Mitarbeiterinnen jederzeit verlassen, das ist es was #Solidarität leben ausmacht. belladonna geht vorbildhaft für Frauen voraus, daher ehrt der Bremer Frauenausschuss e.V. dieses Jahr nicht eine einzelne Frau, sondern ein Team von Frauen. In besonderer und ausdauernder Weise prägt belladonna solidarische Beziehungen zwischen Frauen in Bremen. Es ist Zeit dies zu honorieren, anzuerkennen und mit dieser Auszeichnung „Danke.“ zu sagen.“