GESCHICHTE IM RAMPENLICHT? – INSZENIERUNGEN HISTORISCHER QUELLEN IM THEATER

Anlässlich des 10jährigen Bestehens des Projekts „Aus den Akten auf die Bühne“, Kooperation Uni Bremen und bremer shakespeare company. Im Mittelpunkt der Tagung, initiiert und veranstaltet von Dr. Eva Schöck-Quinteros (Geschichtswissenschaft/Univ. Bremen), Dr. Thorsten Logge (Public History/Univ. Hamburg) und Nils Steffen (Univ. Heidelberg), stehen die aktuellen Fragen von Performativität, Medialität und Authentizität von Geschichte in öffentlichen Räumen. Das vollständige Programm findet man auch hier: www.sprechende-akten.de und auf facebook.

Die Tagung wird auch als Fortbildung für Lehrer_innen angeboten. Anmeldung unter <esq@uni-bremen>. 19.-21.10./Tagungsgebühr inkl. Besuch der Lesungen und Verpflegung im Falstaff 60/erm. 30 €

Im Rahmen der Tagung finden verschiedene szenische Lesungen z.T. an historischen Originalschauplätzen statt.

Donnerstag, 19. Oktober, 19.30 Uhr im Finanzamt am Rudolf-Hilferding-Platz (Haus des Reichs) „IM LAGER HAT MAN AUCH MICH ZUM VERBRECHER GEMACHT“ Margarete Ries: Vom „asozialen“ Häftling in Ravensbrück zum Kapo in Auschwitz Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Peter Lüchinger, Michael Meyer, Petra-Janina Schultz, Erika Spalke. Margarete Ries aus Magdeburg war im August 1939 im Alter von 20 Jahren wegen „liederlichen Lebenswandels“ als „Asoziale“ ins Konzentrationslager Ravensbrück eingeliefert worden. Im Herbst 1942 kam sie mit einem Transport ins KZ Auschwitz und bewachte in der Funktion eines Oberkapos jüdische Häftlinge. Dabei soll sie äußerst brutal vorgegangen sein und mehrere Inhaftierte erschlagen haben. Nach ausführlichen Vernehmungen durch Vertreter der US-Militärregierung in Bremen im Haus des Reichs und einem anschließenden Spruchkammerverfahren wurde ihr Verfahren jedoch eingestellt. Zu ihrer Verhaftung kam es, nachdem eine ehemalige Insassin des Lagers Auschwitz Ries auf dem Bremer Hauptbahnhof wiedererkannt hatte. Wie erklärte Margarete Ries ihr Handeln? Wie bewerteten es die Zeuginnen und warum wurde das Verfahren eingestellt? Das Haus des Reichs war damals Sitz der US-Militärregierung für Bremen, ist also der Originalschauplatz der Verhöre von Margarete Ries. Kartenpreise: 13 €/erm. 6 €. Freitag, 20. Oktober, 10.45 Uhr, Theater am Leibnizplatz

GEFLÜCHTET, UNERWÜNSCHT, ABGESCHOBEN Vom Umgang mit „lästigen Ausländern“ in der Weimarer Republik. Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Peter Lüchinger, Michael Meyer, Petra-Janina Schultz, Markus Seuß. Vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingssituation gibt diese Lesung Einblicke in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und zeigt Parallelen zu heute auf. Nach dem Ersten Weltkrieg machen sich in Europa Millionen von Menschen von Ost nach West auf den Weg. Sie flüchten vor Krieg, Armut und hoffen auf ein besseres Leben. Große Reiche, wie Russland, die Österreichisch-Ungarische Monarchie und das Osmanische Reich lösen sich auf. Auch in Bremen suchen Menschen Zuflucht und Schutz oder wollen von dort aus weiter nach Amerika. Forderungen nach Grenzschließungen und Abschiebungen werden in Deutschland laut. Parolen von „Ausländerflut“ und „Überfremdung“ machen sich breit. „Sind wir schutzlos gegen Ausländer?“, „Wird endlich durchgegriffen?“ sind nur einige Schlagzeilen der Presse. Wir befinden uns in den 1920er-Jahren in Deutschland. Deutschland war damals vom Krieg gezeichnet und es herrschte große Wohnungsnot. Vor allem „ostjüdische“ Flüchtlinge stießen auf Ablehnung. Wer war „nützlich“ und durfte bleiben? Wer war „lästig“ und musste gehen? Diese Formulierungen waren damals gang und gäbe. Die Entscheidungen trafen stets die Behörden. In der neuen Lesung wird der Umgang mit Ostjuden, den „fremdstämmigen Ostausländern“ auch anhand zahlreicher Quellen aus der Überlieferung der Reichsministerien aus dem Bundesarchiv gezeigt. „Recherchiert man in alten Zeitungsartikeln, Dokumenten und Briefen, zeigen sich deutliche Parallelen zu heute auf “, sagt die Leiterin des Projekts „Aus den Akten auf die Bühne“ Dr. Eva Schöck-Quinteros von der Universität Bremen. „Vor allem darin, wie über Geflüchtete zum Teil gesprochen wurde.“ Kartenpreise: 13 €/erm. 6 €.

Samstag, 21. Oktober, 10.15 Uhr, Theater am Leibnizplatz Gastspiel: GEFLÜCHTET, UNERWÜNSCHT, ABGESCHOBEN Szenische Lesung der Theaterwerkstatt Heidelberg. „Lästige Ausländer“ in der Weimarer Republik. Szenische Lesung. R: Wolfgang G. Schmidt. Mit: Christoph Kaiser, Jeanette Rosen, Sebastian Schwarz und André Uelner. Inszenierung. D: Babette Steinkrüger. Wissenschaftliche Leitung: Nils Steffen, Cord Arendes. Weitere Informationen zum Projekt auf www.lästige-ausländer.de Rund 10 Millionen Menschen sind nach dem Ersten Weltkrieg in Europa auf der Flucht. Unter ihnen „Ostjuden“, die vor den Pogromen in ihren osteuropäischen Heimatländern fliehen – Sehnsuchtsziel USA. Doch die USA schließen ihre Grenzen und die Auswandererhäfen Bremen und Bremerhaven werden zur Sackgasse. Tausende suchen ihr Glück in Baden, das vom Krieg gezeichnet und politisch zerrissen ist. Die jüdischen Geflüchteten sind deshalb vielerorts unerwünscht. Mehr Infos unter: http://www.uni-heidelberg.de/md/zegk/histsem/mitglieder/flyer_endfassung.pdf  Kartenpreise: 13 €/erm. 6 €.