Kunst und Kinder

Mehrere tausend Kinder und Jugendliche arbeiten in den Kunstwerkstätten der Stadtkultur

Sie malen, tanzen, gehen ins Theater, bauen Skulpturen und erforschen mit künstlerischer Recherche die Geschichte von Einwanderung und Heimat. Und zeigen, welche Potentiale und kreativen Ideen in ihren Köpfen stecken.

In den Werkstätten und Ateliers von Kubo, Quartier, Kultur Vor Ort, Schlachthof und Kulturhaus Pusdorf bieten die Mitgliedseinrichtungen von Stadtkultur Bremen eine vielseitige Struktur von künstlerischen und kulturellen Produktionsstätten in der ganzen Stadt.

Wohnortnahe Strukturen für Kunst und Kultur

Bei vielen Kooperationen mit Kindergärten und Schulen liegt der Vorteil auf der Hand: Wohnort- und schulnah bieten die Einrichtungen der Stadtkultur Produktionsstätten, die weder Schule noch Kita vorhalten können. Lichtdurchflutete Ateliers, Theaterbühnen und Proberäume, die auch am Wochenende und in den Ferien offenstehen – diese Orte der Kinder- und Jugendkunst sind fester Bestandteil des kulturellen Lebens in den Stadtteilen.
Sie versorgen insbesondere Quartiere, die durch strukturelle Problemlagen und größere Entfernungen zu den zentralen Kunsttempeln der Stadt eine vielfältig strukturell benachteiligt sind. So eröffnen sie direkte Zugänge zu modernen Kunst- und Kulturformaten.

Kunst mit Kindern und Jugendlichen – eine Bildungsoffensive für die zukünftige Stadtgesellschaft

Mit der konzeptionellen Entwicklung von Kinder und Jugendkunstprojekten sind die Angebote der Stadtkultur weit mehr als eine bloße Versorgung von Stadtteilen mit Kunst und Kultur. Die ersten Besuche von Kindergartenkindern im Atelier, beispielsweise des Kubo Kunsthaus im Ostertor, vermitteln basale Techniken, die den kreativen, künstlerischen Ausdruck fördern. Wie halte ich einen Pinsel? Warum wird aus gelb grün, wenn das Blau dazukommt? Warum fällt die Tonfigur auf dem dünnem Bein um, wenn sie einen dicken Bauch bekommt? Die jungen Ateliers sind Lernlabore für Feinmotorik und Materialerforschung, Produktdesign und Ästhetik.

In den Werkstätten der Grundschüler arbeiten Theaterregisseure, Kunstpädagogen und freie Künstler in spartenübergreifenden Projekten. Die Tanz- und Theaterproduktionen ›Das Wunder aus Pusdorf‹ oder stadtweite Projekte wie das ›Ich & Du Buch‹ von Quartier erreichen hunderte von Kindern, die sich über Wochen intensiv mit einem gesellschaftlich relevanten Thema auseinandersetzen. So inszeniert etwa das ›Ich & Du Buch‹ eine faszinierende Korrespondenz zwischen jeweils zwei SchülerInnen über Lebensbilder in der Biographie multinationaler Familien.

Mit dem ›Palast der Vorstadt‹, einem Jugendkunstprojekt von Kultur Vor Ort, thematisieren Jugendliche in überdimensionalen Kopf-Kisten Ober- und Unterwelten, Traum- und Wirklichkeitsszenarien und gehen Fragen nach Machtverhältnissen und eigenen Gestaltungsmöglichkeiten in einer sozial gespaltenen Stadt nach. Nicht ohne Grund stand der ›Palast der Vorstadt‹ in Schwachhausen und inszenierte dort für fast 500 Schülerinnen und Schüler eine eindrucksvolle Begegnung.

Kunst mit und für Kinder und Jugendliche setzt auf Beteiligung und auf Stärkung der Ausdrucksfähigkeit. Sie begleitet Entwicklungen in sozialen und künstlerischen Bereichen und eröffnet Kindern und Jugendlichen den Zugang zu künstlerischer Produktion, kultureller Praxis und gesellschaftlicher Teilhabe – und ist damit ein aktiver Beitrag der Stadtkultur Bremen zu mehr sozialer Gerechtigkeit in der Stadt.

C H R I S T I A N E G A R T N E R, Kultur Vor Ort e. V.

Erschienen in der ZETT, Mai 2011